Automatisierter Antrags- und Anschlussprozess für Photovoltaikanlagen
Immer mehr Kunden von E.ON Schweden interessieren sich aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen für Investitionen in Solarenergie. Dadurch stieg zwangsläufig auch die Zahl der Anträge für Photovoltaikanlagen. Die Bearbeitung dieser Anträge war für E.ON zeitaufwendig, und die Kunden waren mit den langen Wartezeiten unzufrieden. Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen E.ON und Digpro konnte die Bearbeitungszeit von vier bis sechs Wochen auf vier bis sechs Minuten verkürzt werden.
Hintergrund
E.ON ist Schwedens größter Stromversorger und beliefert etwa 20 Prozent aller Stromkunden des Landes. Das Unternehmen bearbeitet mehr Voranmeldungen für Photovoltaikanlagen als jeder andere Stromversorger in Schweden. Schätzungsweise 25 Prozent der schwedischen Photovoltaikanlagen sind an das Netz von E.ON angeschlossen.
Das Interesse an Solarenergie war bereits seit Längerem groß. Im Jahr 2021 begann die Zahl der Anträge für Photovoltaikanlagen deutlich zu steigen. Einen besonders starken Anstieg verzeichnete E.ON jedoch im Zusammenhang mit den steigenden Energiepreisen nach dem Sommer 2022.
„Die Zahl der Anträge für Photovoltaikanlagen stieg von etwas mehr als 2.000 auf 4.000 pro Monat“, erklärt Thomas Pettersson, Produktmanager bei E.ON Energy Distribution. „Dadurch verlängerte sich die Bearbeitungszeit von vier bis sechs Wochen auf zehn Wochen. Unsere Kunden waren mit der langen Wartezeit nicht zufrieden.“
Die große Zahl der Anträge band zudem erhebliche personelle Ressourcen bei E.ON: 2.000 Vorgänge entsprechen dem Arbeitspensum, das ein erfahrener Anschlusstechniker innerhalb eines Jahres bewältigen kann. Die Situation war angespannt, und die Abteilung arbeitete mit Hochdruck daran, sämtliche Anträge zu bearbeiten.
Anforderungen
Thomas und sein Team hatten bereits zuvor den Wunsch, den Antrags- und Anschlussprozess für Photovoltaikanlagen zu automatisieren. Mit der steigenden Nachfrage wurde dies jedoch immer dringlicher. Das ehrgeizige Ziel bestand darin, den gesamten Prozess vollständig zu automatisieren und die Bearbeitungszeit pro Antrag auf wenige Minuten zu reduzieren.
Die beiden wichtigsten Systeme für die Automatisierung waren dpPower von Digpro für die Netzdokumentation und das ERP-System SAP von E.ON für die Kundeninformationen. Für eine erfolgreiche Umsetzung waren folgende Maßnahmen erforderlich:
- Eine neue Integration zwischen dpPower und SAP, die für jeden Anschlussvorgang automatisch eine Aufgabe im dpPower-Modul Organizer erstellt sowie die Photovoltaikanlage in dpPower dokumentiert und erfasst.
- Eine automatische Berechnung im dpPower-Modul Analyzer, die auf Grundlage der geltenden Vorschriften prüft, ob die Photovoltaikanlage an das bestehende Stromnetz angeschlossen werden kann.
- Eine Integration, die das Ergebnis der Berechnung – genehmigt oder nicht genehmigt – an SAP übermittelt. Anschließend werden der Kunde oder dessen Installationsunternehmen darüber informiert, ob die Photovoltaikanlage an das bestehende Stromnetz angeschlossen werden kann oder ob ein Ausbau des Netzes erforderlich ist.
Solution
Auf Grundlage der Anforderungen definierten E.ON und Digpro einen detaillierten Prozessablauf:
- SAP erstellt aus der Voranmeldung einen Vorgang und ruft dpPower auf.
- dpPower erstellt eine Aufgabe im Organizer und dokumentiert die Photovoltaikanlage automatisch als geplante Anlage innerhalb der Aufgabe.
- dpPower führt die automatische Berechnung durch und übermittelt das Ergebnis an SAP. Genehmigte Berechnungen – dies betrifft 80 Prozent der Anträge – werden im automatisierten Prozess weiterbearbeitet. Die übrigen Vorgänge werden zur manuellen Bearbeitung gekennzeichnet.
- SAP übermittelt die Genehmigung an den Kunden oder dessen Installationsunternehmen. Dieses errichtet die Photovoltaikanlage und sendet anschließend eine Fertigmeldung an E.ON.
- SAP erfasst die technischen Daten.
- Der Kunde kann die erzeugte Solarenergie nutzen.
- dpPower erhält von SAP die Information, dass die Photovoltaikanlage in Betrieb genommen wurde. Der Status wird automatisch auf „in Betrieb“ gesetzt und die Aufgabe im Organizer abgeschlossen.
Für die Umsetzung kamen mehrere Module von dpPower zum Einsatz. Organizer und das zugehörige Modul Process Automation steuern den gesamten Ablauf. In Process Automation lässt sich der Prozess grafisch darstellen. Zudem können automatische Schritte und Entscheidungspunkte definiert werden.
Im Modul Analyzer wird die elektrotechnische Berechnung durchgeführt. Sie bildet die Grundlage für die Entscheidung, ob eine Photovoltaikanlage automatisch genehmigt werden kann. Dabei werden zahlreiche Parameter berechnet. Unter anderem wird geprüft, ob die Photovoltaikanlage zu einer übermäßigen Belastung des Stromnetzes führen könnte.
Die eigentliche Netzdokumentation erfolgt in dpPower. Unmittelbar nachdem SAP die Voranmeldung erhalten und dpPower aufgerufen hat, wird die Photovoltaikanlage als geplante Anlage erfasst. Sobald der Anschluss in Betrieb genommen wird, erhält die Anlage automatisch den Status „in Betrieb“.
Die Datenvalidierung ist während des gesamten Prozesses von entscheidender Bedeutung, da die Datenqualität 100 Prozent betragen muss. Korrekte Daten werden sowohl für die zuverlässige Information der Installationsunternehmen als auch für den weiteren sicheren Betrieb des Stromnetzes benötigt.
„Korrekte Daten ermöglichen uns eine verlässliche Qualitätssicherung. Das System arbeitet nach festgelegten Vorschriften und schafft damit eine solide Grundlage für die Berechnungen“, erklärt Thomas. „Da die Zahlen nicht mehr manuell eingegeben werden und somit nicht mehr dem Risiko menschlicher Eingabefehler unterliegen, können wir darauf vertrauen, dass die Berechnungen korrekt sind.“
Ergebnisse
Im Juni 2023 nahm E.ON den automatisierten Prozess in Betrieb. Der bis dahin entscheidende Engpass – die Bearbeitungszeit der Anträge für Photovoltaikanlagen – wurde von vier bis sechs Wochen auf vier bis sechs Minuten reduziert. Dank dieser Effizienzsteigerung konnte E.ON den Bearbeitungsrückstand abbauen. Gleichzeitig konnten die Kunden ihre Solarenergie schneller nutzen.
E.ON schloss in diesem Jahr mehr Photovoltaikanlagen an als je zuvor. Für 2023 waren zunächst rund 40.000 Anträge auf Anschluss einer Photovoltaikanlage prognostiziert worden. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage wurde jedoch mit etwa 25.000 Anträgen gerechnet.
Die 10.000 Anträge, die auf eine Genehmigung warteten, waren inzwischen größtenteils bearbeitet. Die wenigen Anträge, die weiterhin manuell geprüft werden mussten, wurden priorisiert. Da für diese häufig nur kleinere Anpassungen am Stromnetz erforderlich waren, bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch diese Photovoltaikanlagen genehmigt werden konnten. Die Anschlusstechniker von E.ON konzentrierten sich nun auf genau diese Fälle, bei denen eine eingehendere Analyse des Stromnetzes erforderlich war.
„Für E.ON bedeutet dies auch eine wirtschaftliche Einsparung, da weniger Mitarbeiter ihre Zeit für manuelle Tätigkeiten aufwenden müssen. Auch unsere Kunden sparen Geld, weil sie die erzeugte Solarenergie nicht nur selbst nutzen, sondern überschüssigen Strom auch an E.ON verkaufen können. Wir bieten einen hochwertigen Service, der unsere Mitarbeiter entlastet, unseren Kunden hilft, Geld zu sparen, und zugleich einen Beitrag zu der für unsere Gesellschaft dringend notwendigen Energiewende leistet.“
